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Beauty-Trend: Fadenlifting

Es ist der neue Hype im Bereich der Gesichtsverjüngung: Fadenlifting. Das Versprechen ist groß: Ein paar Fäden sollen hierbei das Gesicht in die richtige Richtung ‚ziehen’ und straffen – und zwar ohne größere Nebenwirkungen. Doch wie genau sieht der Eingriff aus und vor allem: Wieviel kann man wirklich von ihm erwarten?

Fadenlifting wird derzeit hoch angepriesen und scheint nach Botox die Beauty-Revolution zu sein, auf die viele gewartet haben. Zu hohe Erwartungen bremst Dr. Elisabeth Schuhmachers, Dermatologin in München, jedoch aus: „Fadenlifting ist toll, aber es ist natürlich nicht das gelobte Land. Es ist nur ein Tool von vielen.“

Zunächst: So neu ist Fadenlifting nicht. Schon vor Jahren kam die Methode auf, doch die damals verwendeten Goldfäden waren schwer verträglich und die Nebenwirkungsgefahr war zu hoch. Erst das neue Material hat die Methode zum Hype werden lassen: Nun werden Fäden aus dem vom Körper abbaubaren Materialien Polydioxanon (PDO) sowie Poly-L-Milchsäure (PLLA) verwendet. „Die Methode war schon immer genial, aber erst durch das neue Material hat das Ganze eine neue Dimension erlangt“, sagt Dr. Schuhmachers.

Die Fäden kommen aus der Chirurgie

Sowohl PDO als PLLA werden seit Jahrzehnten in der Chirurgie eingesetzt und sind gut verträglich. Je nach Areal, das behandelt wird, sind die Fäden glatt, getwistet oder auch mit winzigen Widerhäkchen versehen. Die Fäden bauen sich innerhalb von sechs bis acht Monaten im Gewebe wieder vollständig ab und lösen dabei einen Lifting-Effekt in der Haut aus: Sie stimulieren die Kollagenbildung im Bindegewebe, was einen bis zu drei Jahre anhalten Straffungseffekt haben kann. Die Wirkung der Fäden ist dabei unterschiedlich: „PLLA-Fäden haben einen stärkeren Einfluss auf die Kollagenproduktion, ihre Wirkung hält deshalb etwas länger an als die von PDO-Fäden“, erklärt Dr. Stefan Duve vom Münchner Haut- und Laserzentrum an der Oper.

Die Anzahl der verwendeten Fäden variiert dabei extrem: Manchmal reichen zwei größere Fäden aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen, von kleineren Fäden lassen sich sehr viele, 20-50 Stück in die Haut einziehen. Aufgrund dieser hohen Variabilität ist eine genaue Angabe der Kosten auch schwierig. Je nach Indikation beginnen diese bei 300 Euro. Ein Fadenlifting des gesamten Gesichts kostet rund 2500 Euro.

Ursprung des Trends liegt in Korea

Hergestellt werden die Fäden vor allem von zwei großen Firmen: Princess und Silhouette. „Der Ursprung des Trends liegt in Korea – dort ist Fadenlifting, auch als ‚Korean Face’ oder ‚Korean V-Lift’ bekannt, derzeit der beliebteste Ästhetikeingriff“, erklärt Dr. Duve, der selbst in Korea war und sich vor Ort informiert hat.

Die Fäden werden mit einer feinen Nadel unter der Haut platziert, durch leichtes Drehen der Nadel löst sich der Faden und bleibt bis zum Abbau noch etwa eineinhalb Jahren im Gewebe, wo er sich verwächst. Eine Entfernung des Fadens ist daher nur bis zwei Wochen nach dem Eingriff möglich. Die Prozedur ist wenig schmerzhaft: Betäubt werden die Ein- und Austrittsstellen der Nadel. Nach spätestens einer Stunde ist der minimalinvasive Eingriff beendet.

Die richtige Arztwahl ist wichtig

Danach ist vor allem Ruhe wichtig: Zwei bis drei Tage sei man schon etwas lediert, sagt Dr. Schuhmachers. Ein Fadenlifting ist kein schneller Eingriff, der so nebenbei durchgeführt werden kann. Sport ist sogar für einige Wochen verboten, man sollte außerdem eine Woche lang keine zu starke Mimikgesten machen, damit die Fäden nicht verrutschen. Auch blaue Flecken können entstehen. „Den meisten Patienten geht es aber gut“, sagt Dr. Schuhmachers zufrieden und betont nochmals die Notwendigkeit der richtigen Arztwahl. Fadenliftings werden zum Teil auch von Heilpraktikern angeboten – dies sieht die Expertin kritisch. „Genaues und hygienisches Arbeiten ist unabdingbar“, so die Dermatologin. Aufgrund der Infektionsgefahr hätten ihre Patienten stets auch ein Stand-By-Rezept für Antibiotikum dabei, am Wochenende sei sie am Handy erreichbar. „So lässt sich im Einzelfall entscheiden, ob das Medikament notwendig ist oder nicht.“ Heilpraktiker aber können und dürfen ein solches Rezept nicht ausstellen – ein weiterer kritischer Punkt.

Ästhetik ist eine komplexe Angelegenheit

Wichtig ist aber auch, dass Patienten und Patientinnen keine unrealistisch hohen Erwartungen haben. Fadenlifting kann gute Effekte erzielen, aber keine Wunder bewirken. „Wer ein richtiges Facelift will, der muss zum Chirurgen gehen“, so Dr. Schuhmachers. Allerdings lässt sich das Fadenlifting gut mit anderen Anti-Aging-Methoden wie Injektionen mit Botulinumtoxin, Hyaluronsäure oder Laserbehandlungen kombinieren und kann auch an anderen Körperregionen durchgeführt werden. So können beispielsweise hängende Oberarme („Winkearme“) oder Oberschenkelinnenseiten gestrafft werden. „Im Gegensatz zum Gesicht wird der Körper in der ästhetischen Medizin ja noch wie ein Stiefkind behandelt“, sagt Dr. Schuhmachers. Auch das kann sich mit Fadenlifting ändern.

Doch ab wann empfiehlt sich nun das erste Fadenlifting? Die Methode ist insbesondere für Männer und Frauen von Mitte 30 bis Mitte 50 geeignet. Ab Mitte 30 verliert das Gesicht an Volumen, das Gewebe erschlafft und beginnt zu hängen. Wer aktiv dagegen vorgehen will, ist beim Beauty-Doc gut aufgehoben. „Grundsätzlich erhält man lieber, als dass man repariert“, so die Dermatologin.

Foto: Master 1305/Shutterstock.com

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