Health

Digital Detox

Super-Foods, Entgiftungs-Tees, Heilfasten: Das Detox-Angebot ist riesig. Doch wer innerlich wirklich rein werden will, muss kein Geld für teure Mittel ausgeben – die neue Wunderwaffe für Ruhe und Gesundheit heißt Digital Detox.

Detox ist Trend – und das Versprechen des Entgiftungshypes ist groß: Durch die gezielte Aufnahme von speziellen Lebensmitteln oder durch Körperanwendungen wie Massagen sollen wir uns wieder besser, gesünder und energetischer fühlen. Das ist prinzipiell nicht verkehrt und doch helfen Antioxidantien, Entschlackungsyoga und Kuraufenthalte nur bedingt, wenn wir eines vergessen: Dass die größte derzeitige Stressquelle unser ungesunder Umgang mit digitalen Medien ist.

Immerhin sind alleine in Deutschland mehr als eine halbe Million Menschen onlinesüchtig. In der USA bezeichnen sich sogar 50 Prozent der Bürger als internetabhängig. Es gibt auf der Welt mehr Handys als Zahnbürsten und täglich werden doppelt so viele Mobiltelefone verkauft wie Babys geboren. Noch mehr Fakten? Oder vielleicht besser Beispiele aus dem Alltag?

Denn wie sehr wir am Smartphone hängen, wird uns vielleicht erst bewusst, wenn wir unser eigenes Verhalten genau beobachten. Wer panisch nach einer Steckdose Ausschau hält, wenn der Akku knapp wird, wer Netzlöcher genauso schwer erträgt wie Matheunterricht oder wer Panik vor seinem E-Mail-Postfach entwickelt, weil es wie immer viel zu voll ist, der ist zwar in guter Gesellschaft, aber gesundheitlich betrachtet nicht unbedingt in bestem Zustand. Handystress macht nachweislich krank. Virtuelle Dauerbelastung kann unter anderem zu Unruhe, Schlafstörungen und hohem Blutdruck führen. Doch gegen das digitale Gift lässt sich etwas tun: Digital Detox.

Digital Detox als Lifestyle

Digital Detox ist ein Lifestyle, der langsam aus der USA zu uns nach Deutschland kommt. Die Idee dahinter ist genauso simpel wie grandios: Wer öfter und gezielt seine digitalen Medien abschaltet, gewinnt dauerhaft an Lebensqualität. Dabei geht es nicht nur darum, einfach den Off-Schalter zu drücken, sondern ganz bewusst sein eigenes Mediennutzungsverhalten zu beobachten und digitale Stressquellen zu minimieren.

Wie das konkret geht? Zunächst ist Reduzieren das Motto: Nicht jeder Newsletter ist sinnvoll, nicht jede Eilmeldung notwendig und nicht jeder Klingelton ein Muss. Wer ordentlich ausmistet und die Einstellungen entsprechend anpasst, unnütze Apps löscht und seine Kontakte aussortiert, hat schon viel dafür getan, dass er nicht permanent in seiner Ruhe gestört wird.

Das hilft gegen Online-Stess

Doch Digital Detox ist vor allem eine Haltung: Es geht darum, sich mental gegen den digitalen Stress zu wappnen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen, wenn z.B. noch fünfzig Nachrichten unbeantwortet sind oder die Mailbox überquillt. Hier ist Disziplin erforderlich, denn wir sind inzwischen derart darauf konditioniert, sofort aufzuschrecken, wenn das Handy klingelt, dass wir kaum mehr gelassen mit all den Signaltönen umgehen können. Für eine entspannte Life-Media-Balance ist aber genau das unerlässlich. Wer eine neue Distanz zum herkömmlichen Kommunikationsstress gewonnen hat und sich darauf besinnt, dass er antworten kann, wann er will und nicht ständig erreichbar und schon gar nicht verfügbar sein muss, wird wesentlich glücklicher durchs Leben gehen. Die zurückgewonnene Autonomie befreit spürbar.

Wer effektiv digital detoxen will, sucht sich am besten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Loslegen kann man jederzeit und sich vom Digital Detox-Anfänger zum -Profi meistern – schon kleine Dinge wie offline in den Tag zu starten oder das Handy beim Spaziergang daheim zu lassen, helfen. Wer besonders effektiv digital entgiften will, bleibt für mindestens 24 Stunden virtuell abstinent.

Besserer Schlaf und mehr Kreativität

Das lohnt sich übrigens tatsächlich: In Studien wurde nachgewiesen, dass eine solche Auszeit von Smartphone & Co. die Körperhaltung verbessert (man schaut nicht mehr nur ins Display, sondern wieder mit offenen Augen und erhobenen Hauptes die Welt an), die Empathiefähigkeit steigert (wer nicht nebenbei chattet, hört anderen besser zu), guten Schlaf fördert (das helle Licht der Displays unterdrückt das Schlafhormon), die Kreativität verbessert (wer nicht googelt, nutzt sein Hirn) und die Perspektivenfreudigkeit anhebt (die Chancen des Lebens zeigt und das Leben selbst, nicht das Internet).

Wer abschalten und ankommen will, sollte also vor allem eines tun: ausschalten.

Foto: Romariolen/Shutterstock.com

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