Anti-Aging

Anti-Aging Strategien

Medizinisch gesehen ist der Personalausweis ein ungenaues Dokument. Das Geburtsdatum hat meist nur wenig damit zu tun, wie alt jemand aus Sicht von Anti-Aging-Spezialisten wirklich ist. Alterungsprozesse sind heute nämlich messbar und für Ärzte zählt statt dem chronologischen, vielmehr das biologische Alter.

Wie alt jemand rein biologisch gesehen ist, hängt von verschiedenen Parametern ab: Hormonstatus, allgemeinmedizinischer Check-up, Knochendichte, Muskel-Fett-Verhältnis, Hautzustand, körperliche und geistige Beweglichkeit. Ein Gentest gibt darüber hinaus Einblick in die Erbanlagen und enthält wichtige Anti-Aging-Botschaften. Und wozu das Ganze? Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit so genannten Longevity-Strategien (wörtlich übersetzt bedeutet longevity soviel wie Langlebigkeit). In den USA schätzt man, dass etwa zwei Millionen Menschen bereits Longevity-Anhänger sind. Bereits 1990 gründete Robert N. Butler, Professor für Geriatrie (Altersheilkunde) an der Mount Sinai School of Medicine, das Internationale Longevity Center (ILC) in den USA. Mittlerweile gibt es ILC-Institute weltweit, in Paris, London und Tokio. Mehr Infos: ilc-alliance.org. Im Zentrum aller Longevity-Strategien steht die Frage: Wie kann man bei geistiger und körperlicher Fitness möglichst 150 Jahre alt werden?

Beim Essen gilt: weniger ist mehr

Dinner-Cancelling war gestern. Heute lautet die Formel: Je weniger du isst, desto älter wirst du. Schon länger hat man in Sachen Anti-Aging die Bewohner der japanischen Insel Okinawa im Visier. Fast die Hälfte der 1,3 Millionen Einwohner haben hier nämlich das zweite Lebensjahrhundert erreicht. Alterskrankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Demenz kennen die Insulaner kaum. Und Übergewicht kommt so selten vor wie hierzulande Koi-Fische im Aquarium. Woran das liegt? Die Okinawer essen extrem wenig. Und das, was auf den Tisch kommt, ist sehr gesund: Fisch, Meeresalgen, fermentiertes Gemüse, Sojaprodukte und reichlich Obst. Altersforscher gingen nun der Frage nach, ob Kalorienreduzierung Alterserscheinungen hinauszögern kann. Die „kalorische Restriktion“ war beispielsweise die Ausgangserkenntnis für das Forschungsprojekt AgeQuant der Mediagnost Gesellschaft für Forschung und Entwicklung.

Vom Geheimtipp zum Trend

Dahinter verbirgt sich das Phänomen, das Alterserscheinungen verzögert auftreten, wenn der Kalorienanteil in der Nahrung stark reduziert wird. In den USA hat dies Erkenntnis von der kalorischen Restriktion vom Geheimtipp zum Trend entwickelt. Immer mehr Amerikaner leben in einer Art Dauer-Diät, bei der nicht mehr als 1.800 Kalorien pro Tag verzehrt werden. Tatsächlich lässt Nahrungsreduktion die Körpertemperatur leicht sinken und als Folge kann der Körper seine Kräfte darauf verwenden, bereits vorhandene Schäden in den Zellen zu reparieren. Zahlreiche Studien stützen den positiven Effekt der Kalorienreduktion. Laut einer Studie der Charité in Berlin wird die Gedächtnisleistung gesteigert, es dient der Prävention von Alzheimer (Hochschule für angewandte Wissenschaft Hamburg), verbessert die Nierenfunktion (Universität Köln) und verlängert insgesamt die Lebensdauer (Universität Newcastle).

Professor Dr. Johannes Huber, Endokrinologe, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin und Autor der Bücher „Die Kraft der Hormone“ oder „Die revolutionäre Snips-Methode“ kommt zu dem Ergebnis, dass durch eine reduzierte Nahrungsaufnahme sogar die Reparaturfähigkeit des Genoms steigt. Sollen wir in Zukunft also unseren Salat abwiegen und dünn wie Spargelstangen werden? Wer seinem Körper etwas Gutes tun will sollte am besten ein- bis zweimal pro Woche nicht später als 17 Uhr essen. Ansonsten bitte nicht vergessen: Wer gesund altern will, darf den Genussfaktor in seinem Leben nicht zu kurz kommen lassen.

Sport – mäßig aber regelmäßig

Wissenschaftliche Studien belegen: Wer regelmäßig Sport treibt kann das Älterwerden um bis zu 20 Jahre hinauszögern. Ohne das richtige Fitness-Programm geht’s allerdings ab 30 an die Substanz: Der Körper verliert im Schnitt ein halbes Pfund Muskelmasse pro Jahr, dafür legt er eineinhalb Pfund Fettgewebe zu. Die Knochendichte reduziert sich um etwa ein Prozent, Schuld daran ist der Verlust an Kalzium. Damit der Abbauprozess langfristig nicht zu Osteoporose führt, hilft Muskelarbeit, Kalzium in die Knochen zurückzubringen. Wer regelmäßig trainiert entwickelt außerdem ein positives Körpergefühl, Bewegung aktiviert den gesamten Stoffwechsel in jeder einzelnen unserer etwa 100 Billionen Zellen.

Wenn die Durchblutung optimal funktioniert, erhöht sich die Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus, damit gelangen Nährstoffe besser in und Abfallstoffe besser aus den Zellen. Als Folge wird das Bindegewebe gestärkt und die Haut gestrafft. Darüber hinaus schützt regelmäßiger Sport vor Herz-Kreislauferkrankungen, fördert Gedächtnis und Konzentration, verbessert die Blutwerte und schärft die Sehfähigkeit. Am effektivsten ist die richtige Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. Sowohl Muskeln als auch Kondition kann man nämlich in jedem Alter trainieren. Powerwalking oder Joggen fordern beispielsweise 70 Prozent aller Muskeln und regen die Ausschüttung des Wachstumshormons HGH an, das für die Zellerneuerung zuständig ist. Wer sich viel bewegt stärkt außerdem die körpereigene Abwehr, senkt die Produktion von Stresshormonen. Neben HGH werden zusätzlich die Anti-Aging-Hormone Testosteron und DHEA gebildet.

Foto: Yeko Photo Studio/Shutterstock.com

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