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Was tun, wenn Unterspritzungen schief gehen?

Auch bei Unterspritzungen können Komplikationen auftreten. Wir haben darüber mit Dr. Katrin Dreissigacker gesprochen. Sie ist Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie mit internationaler Ausbildung. In ihren Praxen in Köln und Zug hat sie sich auf das Thema „nicht operative Eingriffe“ spezialisiert.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Probleme bei Unterspritzungen mit Fillern?

„Zum einen sieht man zum Teil groteske Überkorrekturen, was daran liegt, dass zu oft und zu viel Material injiziert wird. Zum anderen kann man aber auch mit wenig Filler viel falsch machen. Wird der Filler nicht fachgerecht injiziert, kann es nicht nur zu schlechten Ergebnissen und unnötigen blauen Flecken, sondern auch zu medizinischen Komplikationen kommen. Wichtig ist zudem die Art des Fillers. Für mich hat oberste Priorität, dass der Filler abbaubar ist, das heißt keine Bestandteile hat, die permanent im Körper verbleiben und später zu Komplikationen führen können. Bei Hyaluronsäure ist das der Fall, doch auch hier gibt es Unterschiede. Billigprodukte haben oft gar keine Zulassung und können verunreinigt sein.“

Was kann passieren?

„Mögliche Komplikationen sind Infektionen im unterspritzen Bereich oder die Bildung von Knötchen – so genannten Granulomen. Bei falscher, zum Beispiel zu oberflächlicher Injektion kann es zu irreparablen Schäden der Hautstruktur kommen. In solchen Fällen können auch Filler, die normalerweise vollständig abbaubar sind, dauerhafte Probleme bereiten. Überkorrekturen durch zu viel Hyaluronsäure sind bei korrekter Injektionstechnik dagegen eher harmlos, da der Körper den Filler von alleine wieder abbaut. Hyaluronsäure kann man zudem mit dem Gegenmittel Hylase wieder auflösen.“

Wie kann man sich schützen?

„In erster Linie durch die Wahl des richtigen Arztes. Patienten sollten sich erkundigen, wie häufig ein Arzt unterspritzt – idealerweise täglich – und, welche medizinische Ausbildung er hat. Chirurgische und anatomische Kenntnisse des Arztes sind wichtig, da sie das Risiko von Injektionspannen von vorneherein minimieren. Und sollte es doch zu Problemen kommen, können entsprechend ausgebildete Ärzte damit routinierter umgehen. Je qualifizierter der Arzt, desto unwahrscheinlicher ist es außerdem, dass er minderwertige Produkte einsetzt. Patienten sollten sich aber in jedem Fall genau erkundigen, welcher Filler unterspritzt werden soll und darüber eigene Erkundigungen einholen, zum Beispiel über das Internet.“

Gibt es weitere Gründe dafür, sich nur von ausgebildeten Medizinern behandeln zu lassen?

„Verantwortungsvolle Ärzte betrachten niemals das ästhetische Problem isoliert, sondern erkunden im Rahmen der Anamnese, ob es Erkrankungen gibt oder Medikamente eingenommen werden, die im Zusammenhang mit der Unterspritzung zu Problemen führen können. Ein guter Arzt wird sich außerdem Zeit für eine Gesichtsanalyse nehmen und mit dem Patienten ein entsprechendes Behandlungskonzept besprechen. Dann sollte man natürlich darauf achten, dass er auch mögliche Bedenken ernst nimmt und außer Standards wie Nasolabialfalten- oder Lippenunterspritzungen noch weitere Ansätze bietet, die ein individuelles Eingehen auf das Gesicht überhaupt erst ermöglichen.“

Gibt es auch so etwas wie eine Notfallsituation?

„Wenn der Filler in ein Gefäß injiziert wird, kann es zu einem Notfall, in diesem Fall zu einem Gefäßverschluss kommen. Hier ist schnelles Handeln gefordert, da das Bindegewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.“

Das hört sich ziemlich dramatisch an. Woran erkennt man diese Notsituation?

„Die Hautverfärbungen verändern sich in Stufen von blass bis bläulich-violett, allerdings sind diese für Laien nur schwer zu beurteilen. Auch hier ist es daher wichtig, sich auf einen erfahrenen und routinierten Arzt verlassen zu können. Bei erfahrenen Ärzten kommen Gefäßverschlüsse zwar so gut wie gar nicht vor, grundsätzlich hat man aber die Sicherheit, dass sie mit jeder Komplikation umgehen können.“

Foto: SvetlanaFedoseyeva/Shutterstock.com

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