Health

Hautkrebs heilen bei Tageslicht?

Hört sich ziemlich paradox an: Im Biergarten sitzen und seinen Hautkrebs bekämpfen? Es gibt tatsächlich eine Methode, mit der das funktioniert. Sie heißt Daylight-PDT und ist eine Innovation aus dem Bereich der Photodynamischen Therapie (PDT).

Hautkrebs ist tückisch und leider auf dem Vormarsch. Vor allem der helle Hautkrebs hat sich zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. „Jeder fünfte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an Hautkrebs“, erklärt der Münchner Dermatologe Dr. Hans-Ulrich Voigt. Deswegen ist regelmäßige Vorsorge so wichtig und im Fall einer Diagnose dann die richtige Therapie.

Die Hauptursache für die böse Wucherung in den Zellen ist UV-Licht. Es schädigt die DNS, worauf die Zellen zwar nicht absterben, aber entarten und schwarzen Hautkrebs (Melanom) oder hellen Hautkrebs entwickeln können. Und jetzt soll Tageslicht bei der Heilung helfen?

Schon länger wird Hautkrebs mit der klassischen Photodynamischen Therapie in Verbindung mit einer speziellen ALA-haltigen Creme und energiereichem Infrarotlicht behandelt. Der Wirkmechanismus dahinter: Lichtgeschädigte Zellen werden mit der biologischen Substanz in der Creme beladen und dann mit IR-Licht bestrahlt, wodurch sie absterben. Die gesunden Zellen bleiben unberührt. Das Problem der herkömmlichen Therapie ist die lange Einwirkzeit der Creme von drei Stunden. „In dieser Zeit diffundiert die ALA-Sbstanz nicht nur in die Zellen hinein, sondern auch wieder aus diesen heraus und gelangt dann in die Nervenendigungen. Dadurch entsehen bei der anschließenden Bestrahlung Schmerzen erklärt Dr. Voigt.

Daylight-PDT gegen Hautkrebs

Dieser Nachteil hat zur Entwicklung der Tageslicht PDT geführt. „Jetzt kann die lichtsensibilisierende ALA-Creme gleich nach dem Auftragen ihre Wirkung entfalten und der Rotanteil des Sonnenlichts ist ausreichend für die Eliminierung der lichtgeschädigten Hautzellen“, betont der Dermatologe, der die Daylight-PTD erfolgreich in seiner Praxis einsetzt: „Im Vergleich zu gesunden Hautzellen reichert sich die Substanz ALA in den Tumorzellen nämlich 10fach höher an. „Da die ALA-Substanz jetzt bereits beim Eindringen in die Zellen ‚verbraucht’ wird, gelangt es nicht mehr in die Nervenendigungen, daher entstehen keine Schmerzen“, so der Dermatologe.

Nach dem Auftragen muss der Patient sich lediglich für zwei Stunden im Tageslicht aufhalten. Das ist ausreichend, um diesen Prozess zu aktivieren und die Tumorzellen gezielt zu zerstören. Geeignet sind dafür die lichtintensiveren Monate von März bis Oktober mit einer Lichtstärke von 250.000 Lux. Die Behandlung ist schmerzfrei und kann wiederholt werden, ohne dass gesundes Gewebe beschädigt wird.

Nur geschädigte Zellen werden abgebaut

Zum Abschluss wird in einer Dunkelkammer mit einem speziellen UV-Licht kontrolliert, ob die ALA-Substanz komplett verbraucht wurde, sonst leuchtet sie rot auf. Nach vier Wochen gibt es eine weitere Kontrolluntersuchung wobei entschieden wird, ob eine zweite Behandlung nötig ist.

Nach dem Treatment fühlt sich die Haut an, wie nach einem leichten Sonnenbrand. Die Rötungen kann man mit Make-up kaschieren. Für zwei Tage sollte Sonnenlicht gemieden und hoher Lichtschutz aufgetragen werden.

Die Daylight-PDT ist schmerzfrei und kann wiederholt werden, ohne dass gesundes Gewebe geschädigt wird. Behandelt werden können damit in erster Linie Aktinische Keratosen (Vorstufen des weißen Hautkrebs), aber auch beginnende Formen des weißen Hautkrebses, wie das Basalzellkarzinom und das Spinaliom. „Stark verhornte Aktinischen Keratosen tragen wir vor der Daylight-PDT in Lokalanästhesie ab und lassen sie histologisch untersuchen“, so Dr. Voigt.

Die KOSTEN von 300 bis 900 Euro, je nach Menge der verwendeten ALA-Creme, werden von den privaten Krankenkassen in der Regel übernommen. Schöner NEBENEFFEKT: das Hautbild wird auch ästhetisch verbessert.

Aufmacherfoto: David Law/Unsplash

You Might Also Like

error: marinajagemann.com