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Flossing – der neue Fitness-Trend

Scheint zunächst etwas seltsam, ist aber sehr wirkungsvoll: Beim Flossing werden einzelne Körperteile mit einem Gummiband abgebunden und dann gezielt trainiert. Der neue Trend kommt aus dem Therapiebereich und hält zunehmend Einzug in den Freizeitsport.

„Flossing wird vor allem nach Verletzungen gegen Schmerzen und Schwellungen eingesetzt. Aber es kann noch viel mehr. Gleich nach den ersten Anwendungen spürt man, wie effektiv diese Methode wirkt“, sagt Kay Bartrow, Physiotherapeut aus Balingen, der dazu ein Buch veröffentlicht hat.

Hände, Schultern, Knie, Füße oder Rücken – das Flossband wird an den Körperpartien angelegt, die schmerzen oder die gezielt trainiert werden sollen. Durch den gleichmäßigen Druck wird der Blutfluss deutlich reduziert. „Sobald das Flossband angelegt ist, läuft die Trainingszeit“, erklärt Physiotherapeut Kay Batrow. Nach drei Minuten muss das Band wieder abgenommen werden. „Deshalb sollte man die Übungen für das Flossing-Workout vorher festlegen“, rät er.

Während der Bewegung reiben Muskeln, Faszien, Nerven und Bänder gegeneinander. Das löst Verklebungen und macht die Gelenke beweglicher. Gleichzeitig wird das Gewebe wie ein Schwamm ausgedrückt, um es bei Abnahme des Bandes mit neuer nährstoffreicher Flüssigkeit zu füllen. Durch die Kompressionswirkung erhöht sich auch der Stoffwechsel. Um die Durchblutung nach dem Abbinden wieder in Gang zu bringen, werden die Übungen ohne Flossband für weitere fünf Minuten wiederholt.

Auch Sportprofis nutzen Flossing

Flossing hilft auch, wenn man sich das Knie verdreht hat oder mit dem Fuß umgeknickt ist. Es bringt wichtige Stoffwechselvorgänge für die Regeneration in Gang, reduziert die Schwellung, verhindert, dass Flüssigkeit nachläuft. Neben Sportprofis nutzen auch immer mehr Freizeitsportler diesen Trend. Flossing beugt sogar Sportverletzungen vor. Viele Übungen kann man zu Hause selbst anwenden. Nur bei offenen Hautverletzungen, bei einer Latxallergie, bei Gefäß- und Herzerkrankungen sollte nicht geflosst werden. Treten Kribbeln oder Taubheitsgefühlen auf, das Band sofort abnehmen. Meist lassen auch die Symptome sofort nach. Das Band kann dann leicht versetzt neu angelegt werden. Den Druck dabei reduzieren.

Flossing-Übungen

Unterer Rücken

Bandlänge: zwei Meter. Zum Anlegen des Bandes braucht man eine zweite Person. Die Wicklung beginnt oberhalb des Beckens und endet am unteren Rippenbogen. Das Band sollte nicht zu sehr in den Bauch drücken und noch genug Raum für die Atmung lassen. Alle Übungen 15 – 20 mal wiederholen.

Rotieren: Beide Hände über Kreuz auf die Schultern legen. Die Bauchmuskeln anspannen und damit das Becken fixieren. Dann den Oberkörper langsam nach rechts und links drehen. Drehradius und Schnelligkeit beim Drehen kann langsam gesteigert werden. Danach den Oberkörper seitlich nach unten bewegen. Dabei langsam in der Lendenwirbelsäule einknicken. Keine ruckartigen Bewegungen.

Strecken: Auf den Bauch legen, die Ellenbogen auf dem Boden abstützen, den Oberkörper nach oben drücken und dabei die Schulterblätter nach hinten ziehen. Für die diagonale Streckung mit einer Hand den entgegensetzten Fuß umfassen und ans Gesäß ziehen. Seiten abwechseln.

Flossing am Knie

Mit dem Wickeln unterhalb des Knies beginnen und oberhalb der Kniescheibe fixieren. Die Zugstärke sollte dort, wo ein Problem vorliegt, am stärksten sein.

Kniestreckung: Auf den Rücken legen und eine Handtuchrolle oder einen Ball unter das Knie legen. Dann die Ferse vom Boden abheben, die Kniekehle gegen die Unterlage pressen. Zur Kniebeugung in Bauchlage das Bein anheben und die Ferse in Richtung Gesäß drücken. Keine ruckartigen Bewegungen.

Step-up: Das geflosste Bein auf eine Treppe (2. Stufe) oder einen stabilen Hocker stellen. Körpermitte und Beinachse stabil halten. Dann hochziehen, eine Sekunde oben halten und wieder abstellen.

Für die Schulter

Mit der Wicklung zwei bis drei Finger breit unterhalb der Schmerzstelle beginnen oder in der Mitte des Oberarms bis oberhalb des Schulterdachs.

Arm anheben: Arm bis senkrecht nach oben anheben. Den Ellenbogen dabei leicht gebeugt lassen. Langsam beginnen, dann die Bewegungen größer und schneller werden lassen. Danach den Arm seitlich mit der anderen Hand bis zur Körpermitte führen und wieder nach außen bewegen.

Schulter rotieren: In die Hand mit der geflossten Schulter eine Hantel nehmen, den Arm 90 Grad anwinkeln. Dann ist der Oberarm auf Schulterhöhe und die Hantel zeigt nach oben. Den Ellenbogen ebenfalls um 90 Grad beugen. Der Unterarm zeigt Richtung Boden. Dann den Unterarm wieder nach oben bewegen, die Hantel zeigt zur Decke.

Weitere Übungen in dem Buch von Kay Bartrow mit DVD: „Flossing – Richtig anlegen und wirksam üben“, TRIAS Verlag, 25 Euro

Text: Dietlinde Besch

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