Case Studies

Fragen an den Beauty Doc

Eine Woche nach meiner ersten ästhetischen Beratung steht mein zweiter Besuch bei einem Beauty Doc an – diesmal mit zwei nicht unwesentlichen Unterschieden: Erstens gehe ich zu einem Mann, zweitens zu einem Ästhetisch Plastischen Chirurgen. Und mir geht nur eine Frage durch den Kopf: Rät er mir etwas anderes?

Die Ausgangslage ist nach wie vor dieselbe. Ich will mein Gesicht erhalten, also klassisches Anti-Aging betreiben. Mein Weg führt mich diesmal zu Dr. Peter Neumann, dessen Praxis mitten im Münchner Zentrum, im Tal, ist. Und wie so oft, spürt man die atmosphärischen Unterschiede sofort. Haben mich bei der Dermatologin Dr. Elisabeth Schuhmachers Weiß und sanfte Töne im Lila-Grau-Beige-Bereich empfangen, stehe ich in der Praxis von Dr. Peter Neumann gefühlt im Wald: Hier gibt es viel Grün und viel Holz. Vom Arzt selbst gibt es einen kräftigen Händedruck. Seine Arme sind tätowiert, auf seinem weißen Hemd sind seine Initialen eingestickt. Dass er viel Wert auf ein angenehmes Praxisumfeld legt, wird schnell klar, denn dass sich einen Gang weiter hinten sterile OP-Säle befinden, würde man niemals merken, wenn man es nicht wüsste.

„Als Plastischer Chirurg muss ich zunächst zuhören“, sagt Dr. Neumann, der sich viel Zeit für das Erstgespräch nimmt. Das sei notwendig, um herauszufinden, wie groß der jeweilige Leidensdruck der Patienten tatsächlich sei. Man müsse, so der Beauty Doc, die Persönlichkeit des Patienten erspüren, denn: „Eine gelungene OP macht nicht immer zufriedene Patienten.“ Bis zu zwanzig Minuten dauert es, bis er zur eigentlichen Untersuchung, zum Kern des Problems, vordringt. Davor erfolgt eine klassische Anamnese, um sicherzugehen, dass bei einem Eingriff aus medizinischer Sicht alles beachtet wird.

Was aber kann man nun ganz konkret bei mir – gesund, Anfang 30 – tun, damit ich auch noch in vielen Jahren jugendlich und vital aussehe? Auch von ihm kommen erstmal ganz praktische Ratschläge, die sich mit denen von Dr. Elisabeth Schuhmachers decken: nicht rauchen, Sonnenschutz, Pflege. Dennoch gäbe es „Medicosmetics“, deren Wirkstoffe nachweislich in die Haut vordringen. Dr. Peter Neumann empfiehlt die Marke !QMS. Auch Fruchtsäurepeelings seien gut.

Der Beauty Doc empfiehlt Filler

Jetzt aber wird es spannend, denn tatsächlich schlägt mir der Arzt eine andere Behandlungsmethode für die leidige Nasolabialmisere vor. Er erklärt, dass Nasolabialfalten durch Volumenverlust im Mittelgesicht entstehen. Hier sei ein Hyaluron-Filler „die Therapie der Wahl“. Direkt in die Nasolabialregion injiziert, könne dieser Filler die Falten „weichzeichnen“. „Mit einer Ampulle Hyaluron kann man hier einen tollen Effekt erzielen“, so Neumann, der Filler der Marke Juvéderm benutzt, die ca. 18 Monate halten und pro Milliliter um die 400€ kosten.

Denkbar sei auch ein Filler im Bereich der oberen Wange, um dort verlorenes Volumen zurückzugeben. „Das ist dann aber schon eine kleine operative Geschichte und man braucht deutlich mehr Filler, ungefähr 4-6 Milliliter pro Seite“, erklärt Dr. Neumann. Was bedeutet, dass das auch dementsprechend teurer ist. Der Arzt schlägt noch eine weitere Vorgehensweise vor: Eine Unterspritzung mit Eigenfett. Der Vorteil: Es hält, im Gegensatz zu Fillern, dauerhaft. Dafür wird einem an anderer Körperstelle Eigenfett entnommen, das entsprechend aufbereitet und dann injiziert wird. Klingt für mich – als Ästhetikjungfrau – etwas gruslig.

Botox gegen Mimikfalten

Gegen Mimikfalten empfiehlt Dr. Peter Neumann ebenfalls Botox. Er erklärt, dass, um einer Zornesfalte entgegenzuwirken, ungefähr sechs kleine Piekser oberhalb der Augenbraue – und nicht nur einer zwischen den Brauen – nötig sind. Der Grund hierfür ist ein komplexes Muskelzusammenspiel. „Um ein perfektes Ergebnis mit Botox zu erzielen, muss man sich die Mimik des Patienten sehr genau ansehen. Und es gilt: Die Dosis macht das Gift.“ Unschöne und abschreckende Botox-Gesichter von Stars und Sternchen, die durch die Presse geistern, seien immer das Ergebnis mehrerer Eingriffe, erzählt Dr. Peter Neumann: „Von einem Eingriff alleine sieht man nie so aus.“

Der Münchner Arzt benutzt das Original Botox – die „Urtinktur“, wie er sie nennt. Sein Team und er hätten damit die besten Erfahrungen gemacht. Die Kosten liegen bei etwa 300€ pro Behandlung, und das zweimal jährlich. Am Ende des Gesprächs kommt noch eine gute Nachricht: Schlupflider würden mir im Alter erspart bleiben. Puh. Immerhin.

Das Gespräch endet mit einer freundlichen Verabschiedung und ich gehe die Treppen hinab, bis ich wieder mitten im Münchner Fußgängertrubel bin. Ich beobachte die Menschen und erinnere mich an den Satz von Dr. Neumann, der mit einem selbstironischen Lächeln davon gesprochen hat, dass ihn sein Beruf manchmal auch im Alltag verfolge – wenn er zum Beispiel in der U-Bahn überlege, wie er bei wem welche Nasenkorrektur vornehmen würde. Viele Gedanken schwirren durch meinen Kopf. Sind wir nicht alle auch unperfekt perfekt? Ist so ein altes, faltiges Oma-Gesicht nicht auch was unglaublich Schönes? Will ich das wirklich, Botox & Co.? Ich freue mich über die kompetente Beratung von beiden Ärzten und empfinde doch eine gewisse Unsicherheit. Vielleicht ist es erstmal auch nur gut zu wissen, was ich tun könnte. Ich merke: Ich brauche noch etwas Zeit für meine Entscheidung. Vielleicht solange, bis mich die Schatten meiner Nasolabialfalten einholen. Oder auch nicht. Man wird es sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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